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Die
Zisterzienserabtei von Sedlec ward in Jahre 1142 von einem Adeligen Miroslav
gegründet. Sie stellt das erste Zisterzienserkloster und eine der ersten von
anderer Person als der Herrscher Klostergründungen Böhmens dar. Die Mönche
wurden hierher vom fränkischen Kloster Waldsassen befördert. Durch deren
Vermittlung schloß sich zuletzt die Sedletzer Abtei der Filiation an, die
vom Mutterkloster Morimond Ausgang nahm.
Das Sedletzer Kloster ging eine Entwicklung durch, voller Umwälzungen und
Schicksalswendungen. In der ersten, 47 jähringen Zeitspanne seiner Existenz
blieb es eine private, nicht allzuwichtige Gründung. Dann wurden in dessen
Nähe, z.T.direkt auf dem Klostergelände selbst, Lagen von Silbererz
aufgedeckt, auf deren Grund bald die berühmteste Bergstadt Böhmens erstand,
Kutná Hora (Kuttenberg). Sedlec wurde somit plötzlich zur reichsten und
politisch exponiertesten Abteiengruppe des Landes gesellt. Politische
Engagiertheit des Klosters offenbarte sich besonders zu Beginn des l4.Jahrhunderts,
als der Abt Heindereich sich in bedeutendem Maße an Verhandlungen beteiligte,
die in die Besetzung des böhmischen Thrones durch die Luxemburgerdynastie
dann ausmündeten. Die ruhmvolle Periode hielt allerdings nicht lange an, nur
vierzig Jahre ungefähr. Seit den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts
begann das Kloster in Schulden zu verfallen, die sich mit der Zeit
vergrößerten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts stellte Sedlec eine der am
meisten verschuldeten Kircheninstitutionen in Böhmen dar.
Im Jahre 1421 wurde die Abtei durch hussitische Truppen vernichtet. Ein Teil
der Mönche, dem es nicht gelang rechtzeitig zu entkommen, unterging in den
Trümmern. Nach dem Jahre 1421 blieb das Kloster einige Jahrzehnte lang
unbesetzt. Das Klosterleben erwachte wieder erst in den fünfziger Jahren des
15.Jahrhunderts, ein Schatten jedoch nurmehr von der einstigen Ruhmeszeit.
Im Kloster lebte fortan nur eine kleine Anzahl Mönche, fast alle
Klostergüter waren vergriffen. Die Lage änderte sich einigermaßen nach der
Schlacht am Weißen Berge und beginnenden Rekatholierirung. Ende des 17.Jahrhunderts
und besonders im Laufe des achtzehnten gelang es dem Kloster, einen Teil der
Besitzungen zurückzugewinnen; seine Bedeutung, auch auf geistigem Gebiet,
war wieder im Anstieg. Im Jahre 1783, unter Kaiser Joseph II. Regierung,
wurde das Kloster mitsamt vieler anderen Kircheninstitutionen des Landes
aufgelöst.
Während ihres Bestehens machte die Klosteranlage drei Bauetappen durch,
romanische, gotische und barocke. Von der Gestalt der romanischen Abtei
fehlen Informationen, da sich nichts erhalten hat. Zur Zeit der größten
Berühmtheit der Abtei, an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, kam es in
Sedlec zu einem umfangreichen gotischen Umbau. Die Klosterkirche Mariä
Himmelfahrt war das wichtigste Denkmal davon, vom Abte Heidennreich
errichtet. Sie besteht von einer fünfschiffigen, 50 m langen Anlage, woran
ein dreischiffiges Transept anknüpft, den östlichen Abschluß bildet ein
polygonaler Chor mit Umgang und Kapellenkranz, der Stil ging von der
Überlieferung nordfranzösischer Kathedralgotik aus, deren wichtigsten
Widerhall auf unserem Gelände sie darstellt. Dieser Zusammenhang, wiewohl in
reduzierter Auffassung, zeigt sich nicht nur in der Grundrißkonzeption des
Baues, sondern auch in Anwendung architektonischer Glieder, z.B.Bündel
zylindricher Dienste am Pfeiler. Nordwärts von der Kirche liegt ein Friedhof
mit Kapelle Allerheiligen und barockem Beinhaus, die Kapelle datiert um
1400.
Im
Laufe der Hussitenkriege wurde das Sedletzer Kloster zerstört. Einige
Jahrhunderte lang stand es in Trümmern und es wurden darin lediglich die
notwendigsten Räume repaiert. Erst gegen Ende des 17.Jahrhunderts war es
möglich, an eine prinzipielle Rekonstruktion heranzugehen, um das
Klosterareal in Stand zu setzen. 1693-1707 wurde die Kirche Mariä
Himmelfahrt barock umgestaltet, genau gesagt im Stile der böhmische
Barockgotik. An diesem Bau waren P.I.Bayer und hernach J. Santini beteiligt,
lezterem gebührt der Hauptverdienst um ihr heutiges Aussehen. Der
Barockumbau, geleitet von maximaler Berücksichtigung des monumenateln
gotischen Erbes, bewahrt die Raumwirkung gothischer Kathedrale. Lediglich
das barocke Gewölbe und die Höhenabnahme von Seitenschiffen ändert das
Hergebrachte ab. Während nun der Bau an sich seinen vorwiegend gotischen
Charakter im ganzen behält, kann das Inventar der Kirche, wovon Bilder des
P. Brandl, M. L. Willmann und l.Chr.Liška am wertvollsten sind, seine
Herkunft aus dem 18.Jahrhundert nicht verleugnen. In der äußeren Adaptation
der Kirche machten sich Santinis Eingriffe besonders an der Westfassade
bemerkbar mit Umbau des Schildes und Angliederung einer Vorhalle. 1709 -
1759 wurde nun das Konventgebäude errichtet. Dessen Räume sind zur Zeit für
die Öfentlichkeit unzugänglich, benutzt von der Direktion
tschechoslowakischer Tabakindustrie.
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